Gastbeitrag: eine Zeitreise in das goldene Hippie-Zeitalter mit Joe Cocker.

Joe Cocker – Andreas Rueb hatte das Vergnügen – Live am 25.07.2013 in Schloss Salem, DE

Woodstock-Gefühl machte sich breit. Ein riesiges Areal, Erntefelder, vor einiger Zeit bereits abgeerntet, dienten als Zuschauerbereich. Insgesamt 3 Bühnen auf denen in zeitlich genau geplanter Abfolge ein Highlight das andere jagte. In der Mitte ein Riesenturm für die Zentrale-Technik, dort wurde Licht und Sound gesteuert. Das Konzert, ein Spektakel, das es seit der 69’er Jahre nicht mehr gegeben hatte. Autos der Besucher wurden vorzüglich eingewiesen, so dass jeder Gast einen Parkplatz auf dem längst abgeernteten Feld bekam. Stroh diente für den Fall der Fälle – Regen – für einen sicheren und rutschfreien Untergrund.

Eine riesige Anlage und fast ein Handballfeld großes Bühnenbild bot sich dem Zuschauer. Die Gruppe vor dem eigentlichen Auftritt von Joe Cocker tat ihr Bestes, um eine mitreißende Darbietung zu geben. Natürlich sollte „Crown the stone“ der Menge einheizen. Auf den Hauptakt alles bestens vorbereiten. Aber die Zuschauer sind eigentlich nur halb bei der Sache. Gute Riffs wechseln sich mit melodischem Gesang ab.

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Rechts und links von der Bühne hängen riesige Fernsehgeräte. Umrahmt von jeweils 8 Meter turmhohen Lautsprechern und unglaublich vielen Spots für die Beleuchtung. Nebelmaschinen rechts und links von der Bühne sind durch die eigenartige Verkabelung bzw. Wasserversorgung zu erkennen. Nichts, rein gar nichts wird dem Zufall überlassen. Werbung eines Getränkeherstellers aus weißen Buchstaben auf rotem Grund wechseln sich stimmig ab mit der Werbung der Veranstaltung.

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Das schöne Wetter hat gehalten. Die Menschen, die auf den großen Auftritt warten, sitzen auf dem Boden, haben teilweise bereitgestellte Strohballen ergattert und warten auf die Hauptattraktion. Es fehlen bei manchen Besuchern nur noch die Kopftücher oder Stirnbänder. Die 60er Jahre würden sonst erneut aufleben. Im Kreis haben sich die Besucher gesetzt, reden und diskutieren, stellen ihre Erwartungen in den Raum der angrenzend zuhörenden Freunde. Ob es wohl Pyrotechnik gibt. Die Bühne sieht im Moment nicht danach aus. Würde das zur getragenen Musik von Joe Cocker passen? Auch hardrockmäßig gekleidete Besucher älteren Jahrganges stehen und sitzen vor der Bühne. Langsam drängelt sich die Masse immer dichter zusammen. Es wird eng werden. Aber egal. Wenn Joe Cocker einmal nach Deutschland zu einem Open Air Konzert ruft, folgen die Jünger und sind mit aller Kraft im Raum. In den Menschenmengen stehen Bierwagen und ziehen Alt und Jung in ihren Bann. Das Wetter war so gut, dass eine Erfrischung einfach sein muss. Genau gegenüber der Bühne befindet sich auch ein Merchandising Stand, der alles mögliche von Cocker zu bieten hat. Besonders auffällig, Schals mit der Aufschrift von Joe Cocker.

Es ist voll geworden. Körper an Körper stehen die Menschen im Zuschauerraum. Die Aufheizerband hat ihr letztes Lied gespielt. Die Bühne wird mittels Vorhang komplett verdeckt. Man hört zwar Geräusche auf der Bühne doch kann man hinsichtlich des Stoffes nichts erkennen. Die Lichter der Anlage sind  erloschen. Ein Bass dröhnt einzelne Töne in den Zuschauerraum. Gefolgt von  Schlagzeugtrommeln und ein Blasinstrument stimmt sich ein. Plötzlich Ruhe. Der Vorhang öffnet sich, aber trotzdem Dunkelheit. Es wird spannend. Ein Spot auf die Backroundsänger, dann ein Spot auf das Schlagzeug, gefolgt von Bassspieler, Keyboard und Gitarrenspieler. Ein lauter Knall und da steht er: Joe Cocker. Die Masse jubelt, Schreit und ein Handyblitzlichtgewitter. „Fire It Up“, der Eröffnungssong. Aus dem 22. Studioalbum wurde es über Columbia Records veröffentlicht. Gigantisch! Weil die Menge einstimmt und vor lauter Gänsehaut komme ich nicht zu meiner Arbeit. Fotos machen. Wollen doch die Redaktionen Bilder vom Event. Drei Lieder ist Zeit, alles in den Kasten zu bringen. Das Lied klingt aus. Ein Drittel der Zeit für mich ist um. Joe Cocker ist in typisch scharzer Kleidung schwer zu fotografieren. Die Belichtung des ersten Liedes macht es nicht leicht, gescheite Bilder, nach Möglichkeit in der gewohnten Pose von Joe zu erhalten. Lichtstrahlen in typisch roter Beleuchtung machen es mir schwer, mein Ziel zu erreichen. Rotes Licht für den Autofocus ein schweres Unterfangen. Lediglich der Kopf dient als Focuspunkt. Da, die Backroudsängerinnen, schön anzusehen, werden angestrahlt. Der Star bleibt im verborgenen und die Musik wird immer besser. Klar, kein Wahnsinns-Highlight, aber irre Musik treibt das Publikum an, in den Gesang einzustimmen. Eigentlich braucht es gar keinen Gesang. Die mitsingenden Gäste übertönen fast den perfekten Originalgesang. Die Musik ist so gut, dass man kaum wahrnimmt, dass diese Töne live gespielt sind. Perfektionistisch sogar die Soli der Musiker. Fast wie auf der Platte bzw. CD. Wirklich mehr als sehr gut. Der Trockeneisnebel bringt Stimmung und unklare Bilder. Aber die Musik ist Oberhammer. Der Bass ist im perfekten Einklang mit dem Schlagzeug und bringt ein enorme Grundgerüst für die das letzte Stück als Fotograf im Fotograben. Es ist eng und man muss sich schon durchsetzen, um weitere Bilder zu erhaschen. „Unchain My Heart“ ist ein absolutes Lied zum mitsingen und klatschen. Zwar nur auf Platz 2 und 43 Wochen in den deutschen Charts, und Platz sechs für 15 Wochen in den österreichischen Charts. Nach dem dritten Lied müssen wir Fotografen den Graben verlassen. Immer mehr Hits werden gespielt. Joe kommt langsam ins schwitzen. Angestrahlt von einem kleinen Scheinwerfer werden ein Hit nach dem anderen gespielt. Und plötzlich der wohl größte und bekannteste Hit „With a Little Help from My Friends“. Dass der Hit im April 1969 veröffentlicht wurde, interessiert nicht. Denn der Song wird in neuem Musik-Kleid vorgetragen. Es ist einmalig schön. Wir sind schon lange im Konzertraum und geniessen diesen schönen Abend. Zwar haben wir VIP-Karten und könnten uns dem reichhaltigen Genuss von Essen und Trinken hingeben. Doch ganz klar und mehr als selbstverständlich stehen wir abseits vom grölenden Publikum und sind wie sie begeistert und mitgerissen vom wunderschönen Abend mit Joe Cocker. Weltklasse und leider viel zu früh verstorben. Joe Cocker starb, laut Management, in der Nacht auf den 22. Dezember 2014 in Crawford, Colorado (USA). Diagnose: Lungenkrebs.

Ergänzende Informationen im Internet:
http://cocker.com  offizielle Homepage (englisch)
http://cocker.com/de offizielle Homepage (deutsch)

Autor

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von http://dschungelpinguin.com, dem Ansprechpartner für ‚kühle‘ und coole Stories, reichlich Bilder und warme Gedanken. Lasst es im Dschungel für den Pinguin schneien.

Der Autor, Andreas Rueb (alias dschungelpinguin), ist fast 51 Jahre alt und Zeitmillionär. Er lebt in Solingen, Deutschland.

Das Copyright von Bild und Text liegt zu 100% beim Autor.

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4 Gedanken zu “Gastbeitrag: eine Zeitreise in das goldene Hippie-Zeitalter mit Joe Cocker.

  1. Christina, was du hier aus ein paar Zeilen Text und ein paar Bildern gezaubert hast, ist großartig!!! Ich hoffe, dass ich dein Niveau, was das angeht, einmal erreiche. Toll! Eigenlob=off, fishing for compliments=off. Das ist dir genial gelungen, Text und Bilder frisch und bestens zu präsentieren!!! Beste Grüße und viele Leser, Andreas (12.02.2015)

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