NIRVANA – Montage of heck

Just because you’re paranoid don’t mean they’re not after you

Territorial Pissings, Nevermind

Gestern besuchte ich mit einer Freundin eine Vorstellung des Films „Montage of heck“ über Kurt Cobains Leben. Ich muss gestehen, obwohl ich monatelang exzessiv die Alben „Nevermind“ und „Unplugged in NY“ gehört habe (ein interessantes Phänomen: jedes Mal, wenn ich mich für eins entschieden hab, hatte ich das Gefühl, das andere grade zu verpassen), wusste ich nie allzu viel über die unglaublich gehypte Person Kurt Cobain. Mit Ausnahme der Fakten, an denen man nicht vorbeikommt: er war verheiratet mit Courtney Love (die man als Nirvana-Fan tunlichst nicht zu mögen hat), hatte eine Tochter namens Frances Bean und war dem Heroin sehr zugetan, das ihn letztendlich auch zu einem Mitglied des Club27 werden ließ. Und dass es unter Fans sehr umstritten ist, ob er sich selbst umgebracht hatte, seine Frau Courtney oder gar sein Bandkollege Krist die Finger im Spiel (oder am Abzug) hatte.

Gestern im Kino hatte ich das Gefühl, den Künstler Kurt Cobain tatsächlich kennenzulernen. Besonders der erste Teil von „Montage of Heck“ war sehr liebevoll und schön gemacht. Seine Kindheit und Jugend, mit Erzählungen seiner Familie (die möglicherweise aus verschiedenen Gründen nicht hundertprozentig so zu glauben sind, aber dennoch) und Unmengen an Bildmaterial. Videos von ihm als Kind, Fotos, Zeichnungen, usw. Die Erzählungen der Mutter, des Vaters und der Stiefmutter gaben das Gefühl, ein klein wenig verstehen zu können, was aus diesem lebhaften und lachenden Kind so einen sensiblen, überforderten und verzweifelten Superstar machen konnten. Ein Comic, der Ausschnitte aus Kurts Leben zeigte, über die es kein Bild- und Videomaterial gibt. Besonders die Bilder von ihm als Vater mit Baby Frances waren sehr persönlich und berührend.

Etwa ab der Hälfte des Films wurden der Schnitt und das Tempo dann eher schnell und konfus, was aus ästhetischer Sicht Sinn macht, da man so das Chaos vermittelt bekommt, das in seinem Kopf geherrscht haben könnte oder muss, aber aus Sicht der reinen Rezeption hat es mich ein wenig irritiert und es mir schwer gemacht, emotional wirklich „dabei“ zu bleiben. Gegen Ende, als dann wieder längere Videoausschnitte aus seinem Leben mit Courtney kamen, konnte man dann schon deutlich den „Junkie Cobain“ erkennen. Auch die Ausschnitte aus den Interviews, die gewählt wurden, zeigt etwas über seine Persönlichkeit. Während Dave und vor allem Krist den Ruhm und den Hype sichtlich zu genießen schienen, wollte Kurt einfach nur weg.

Es sagt und urteilt sich leicht über Stars – „die bekommen doch soviel Geld, da werden sie den Druck von der Öffentlichkeit schon aushalten“ u.Ä. – dennoch stecken hinter berühmten Personen immer auch Menschen und nicht jeder ist für Ruhm gemacht. Kurt war es sichtlich nicht. Spannend fand ich ein kleines Detail, das erst seine Mutter ansprach und auf das Krist dann unabhängig von ihr hingewiesen hat: während er von seinem Vater oft und viel in aller Öffentlichkeit heruntergemacht und gedemütigt wurde, in seiner Schulzeit ein gehänselter Außenseiter war, war das etwas, das er später nicht ertragen konnte. Bösartige Kritiken, gemeine Kommentare der Medien über ihn und seine Person brachten ihn an den Rand des Wahnsinns. Mit dem Wissen kann man sich dann sehr gut vorstellen, dass das Leben als Star für ihn nicht zu ertragen war. Eine besonders entzückende Szene fand ich, als er bei einem riesigen Konzert auf der Bühne stand und sagte „Es wurde in letzter Zeit viel Gemeines über meine Frau Courtney gesagt und geschrieben. Jetzt denkt sie, dass die ganze Welt sie hasst. Sagt ihr bitte, dass ihr sie mögt.“

Abschließend noch ein Interview mit seiner Tochter Frances Bean Cobain, die den Film mitproduziert hat und laut Regisseur das Bindeglied war, das es erst ermöglicht hat, alle dazu zu bringen, an dem Projekt mitzuarbeiten.

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3 thoughts on “NIRVANA – Montage of heck

  1. Höre seit mehr als 10 Jahren täglich Nirvana – und fand die Doku leider genauso wie man sich diese erwarten konnte. Sehr oberflächlich und nicht tiefergehend als all die anderen davor. Als ich zum X-Mal Courtneys Brüste ansehen musste, musste ich leider abschalten…

    1. ich mochte den anfang eigentlich gern – als jemand, der wenig hintergrundwissen hat, fand ich das nicht schlecht. in etwa ab der hälfte wurde es mir dann aber durch schnitt und bildgestaltung recht anstrengend.

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